Wie hilft die Notmutter eigentlich im eigenen Heim? Ein beispielhafter Tag im Leben von Julia.*

 

Wen betreust du gerade?

„Ich betreue derzeit eine Familie in Ottensen für acht Stunden am Tag. Die Mutter ist schwanger und muss sich momentan körperlich besonders schonen. Mit zwei weiteren Kindern (3 und 7) ist das natürlich nicht immer einfach. Die kleine Johanna geht mittlerweile in die KiTa, Bastian ist in der zweiten Klasse.“

 

 

Wie sieht dein Tag aus?

„Auf jeden Fall bunt. Morgens komme ich in den Haushalt und helfe zunächst dabei, die Kinder fertig zu machen, da der Mutter in ihrer jetzigen Situation Alltägliches sehr schwer fällt. Sie darf nicht heben, keine ruckartigen Bewegungen machen und sich nicht übermäßig bücken. Mit zwei so lebhaften Kindern ist das natürlich leichter gesagt als getan. Deshalb bin ich da. Wenn die Kinder fertig sind, bereite ich ihnen schnell das Frühstück zu und bringe sie in die KiTa bzw. in die Schule. Danach wird der Haushalt erledigt. Elena, die Mutter der beiden, legt viel Wert darauf, selbst zu machen, was sie noch selbst machen kann. Da will ich ihr natürlich nicht dazwischenfunken. Also achte ich darauf, die Dinge zu übernehmen, die ihr schwer fallen oder wir sprechen ab, was noch ansteht. Zusammen bringen wir die Wohnung auf Vordermann. Ich sauge, wische und putze die Bäder. Dann geh ich einkaufen und bereite schonmal das Mittagessen vor. Je nach Schultag essen die Kinder auch mal in KiTa und Schule. Mittags bzw. nachmittags hole ich die beiden dann ab. Der Große macht seine Hausaufgaben, sofern er die nicht schon in der Schule erledigt hat, und Johanna freut sich über das gemeinsame Spielen. Ist das Wetter gut, gehen wir raus. Denn auch das ist etwas, das Elena zur Zeit schwer fällt und nicht ratsam ist. Einmal die Woche bringe ich Basti außerdem zum Fussball. Der Vater der Familie kommt am Nachmittag heim. Wir lösen uns sozusagen ab. Dann geh ich nach Hause und freu mich auf den nächsten Einsatztag.“

 

 

Wie kommen Elena und du zurecht?

„Sehr gut würde ich sagen. Natürlich hat sie sich am Anfang gesorgt. Die ganze Familie ist unglaublich nett. Elena und die Kinder haben ein absolutes Traumverhältnis zueinander. Klar, dass sie sich da Gedanken gemacht hat, was passiert, wenn eine fremde Person in den Haushalt kommt. Besonders besorgt war sie, weil sie nicht wusste, wie ihre Kinder damit umgehen würden, von einer zunächst fremden Person durch den Tag begleitet zu werden. Aber wir haben von vornherein offen über alles gesprochen und dann war schnell klar: Wir verstehen uns super. Natürlich achte ich darauf, nur die Aufgaben zu übernehmen, die Elena derzeit tatsächlich nicht leisten kann, sodass sich niemand bevormundet fühlt.“

 

 

Und wie kommen die Kinder mit der Situation zurecht?

„Ach, ich glaub mittlerweile finden die beiden das klasse. Ich bin nun schon seit sechs Wochen vor Ort. Natürlich hat besonders die Kleine am Anfang ein wenig verwirrt geschaut, als ich ständig in ihrem Zuhause war und sie zur KiTa gebracht habe. Aber wir haben uns sofort gut verstanden, sodass sich die Kinder sehr schnell mit der Situation wohl gefühlt haben. Letzten Endes macht man sich da vielleicht oftmals auch zu viele Gedanken, denn tatsächlich verstehen Kinder derartige Situationen häufig schneller als man ihnen zutraut und können sich gut damit arrangieren.

Als Betreuerin achte ich natürlich darauf, sowohl den Kleinen als auch den Eltern von vornherein ein gutes Gefühl zu geben und genau dort zu unterstützen, wo sie Unterstützung benötigen. Wird es mal schwierig, suchen sowohl Elena als auch ich das Gespräch - dann sind Uneinigkeiten auch schnell aus dem Weg geräumt. Wenn man offen über seine Ängste spricht und sich der neuen Situation nicht verschließt, so ist meine Erfahrung, wird aus einer ursprünglich ungünstigen Ausgangslage wie einer Erkrankung oder anderweitiger Einschränkung meist tatsächlich eine gute, oder zumindest je nach individueller Situation der Familie bestmögliche Zeit.“

 

 

*Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle Namen in diesem Artikel geändert.

 

 

 

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