„Bin ich eine gute Mutter?“ - ein Text über die Frage, die sich vermutlich jede Mutter irgendwann mal stellt. Und der Versuch einer Antwort.

 

Zu hohe Erwartungen werden selten befriedigt

Woher kommt diese Unsicherheit in einer doch so liebevollen Familie? Einer der häufigsten Gründe sind falsche beziehungsweise zu hohe Erwartungen, die Mütter oftmals an sich selbst und an die Familie stellen, sagen Psychologen. Da soll eben alles perfekt sein. Wie aber auch schon Goethe wusste: ‚Gespannte Erwartung wird selten befriedigt‘ (Johann Wolfgang von Goethe). Natürlich ehrt es eine Mutter, dass sie immer alles richtig machen will. Das ist wundervoll. Dabei verliert man aber leicht aus den Augen, dass 1. niemand alles perfekt machen kann - Mütter sind auch nur Menschen, und 2. mit dieser Erwartungshaltung auch Anspannung in die aktuelle Situation einzieht - und die macht Dinge selten besser.

 

 

Die Individualität von Mutter und Kind nicht vernachlässigen

Nicht nur die Erziehungsziele sind oft sehr hoch gesteckt - wobei konkrete Ziele per se ja nichts schlechtes sind. Sie rufen uns ins Gedächtnis, was uns bei der Erziehung eigentlich wichtig ist und wo sich unsere Ansichten von denen anderer unterscheiden. Dabei passiert es aber schnell, dass diese Ziele allgemein betrachtet werden, während die individuellen Züge eines Kindes als in alle Richtungen prägbar empfunden werden. Jedes Kind ist anders, und das sollten sich Mütter beim Verfolgen ihrer Ziele immer wieder vor Augen führen. Auf Biegen und Brechen etwas ganz bestimmtes für seine Familie zu wollen, kann daher zu Frustration führen, und die wiederum lässt auch eine gute Mutter an sich zweifeln. Dass das eigene Kind auch nach acht Jahren nur widerwillig das Zimmer aufräumt, muss kein Erziehungsfehler sein. Kinder entwickeln sich nunmal ganz individuell - und für ihren einzigartigen Charakter lieben wir sie doch.

 

 

Man kann die Welt nicht kontrollieren

Dazu kommt, dass sich Mütter, weil ihnen ihre Kinder so wichtig sind, nahezu jeden Schuh anziehen. Bei jedem Ausrutscher der Kleinen, jeder unschönen Handlung geben sie sich die Schuld. Es sei ja ihre Aufgabe gewesen, das Kind zu erziehen, es zu einem guten Menschen zu machen. Hier heißt es loslassen. Nicht nur, weil Kinder unterschiedlich sind und ihren eigenen Kopf haben. Auch weil Eltern nunmal nicht die gesamte Welt kontrollieren können. Und so schwer diese Einsicht fallen mag: Eltern sind nicht die einzigen, die Einfluss auf ihre Kinder haben. Noch dazu ist keine Mutter und kein Kind perfekt. Das macht nichts. Sind es nicht letzten Endes die Dinge, die schief gehen, die uns im Nachhinein ausmachen und prägen?

 

 

Aus Fehlern lernen

Nicht nur Kinder, auch Eltern lernen aus Fehlern. Wo kämen wir denn hin, wenn jede Mutter gleich auf alles die passende Antwort hätte und immer wüsste, was zu tun ist!? In dieser Rolle sehen einen die eigenen Kinder, keine Frage. Für sie sind ihre Eltern im besten Fall die, die alles wissen, regeln und bewältigen können. Dieses Gefühl ist für Kinder wichtig, denn es gibt ihnen Sicherheit und die Ruhe, die sie benötigen um ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Aber dennoch wissen wir Erwachsenen es doch besser, oder? Die Erwartung unserer Kinder sollte nicht dazu führen, dass wir an uns zweifeln, sobald mal etwas nicht glatt läuft, wir eine Antwort nicht kennen oder unseren Kindern nicht alles in den Schoß fällt. Das macht auch nichts, denn letzten Endes lernen wir alle daraus. Ohne Fehler, schwierige Situationen, die es zu meistern gilt, und Begebenheiten, die auch mal nicht glatt laufen können wir uns nur schwerlich weiterentwickeln. Wir brauchen diese Hürden wie auch unsere Kinder sie brauchen, um reflektierte, eigenständige und gute Erwachsene zu werden.

 

 

Ihr gebt euer Bestes

Ganz gleich, wie bemüht eine Mutter ist, Zweifel sind natürlich. Schließlich kann man sich nicht ganz von Erwartungen und Zielen befreien - und das soll man auch nicht. Denn sie treiben uns an. Aber diese Zweifel dürfen keine Überhand nehmen. Kommt man ins grübeln, kann ein Austausch mit anderen Müttern helfen. Denn von aussen betrachtet scheint es oftmals so, als sei bei anderen stets alles perfekt, nur zuhause läuft es nicht. Aber ihr werdet sehen: Mit eurer Angst seid ihr nicht allein. Auch der realistische Blick auf die eigene Familie hilft. Funktionieren wir als Gemeinschaft, fühlen sich alle wohl? Dann kann es doch garnicht so schlimm sein. Geht mal etwas schief? Das macht nichts. Keine Mutter ist eine Allround-Maschine, wie es die Hamburger Psychologin Angelika Faas treffend beschreibt. Sich für die Familie aufzuopfern, so die Psychologin, ist auch nicht der richtige Weg. Erstrebenswerter sei es, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen der Kinder zu finden. So bringe man die entsprechende Gelassenheit in die Familie, und das merken auch die Kleinsten. Wer sich mit seiner Rolle als Mutter immer nur unter Druck setzt, hat bald keine Energie mehr. Seid nachsichtig - mit euren Kindern und mit euch selbst.

 

Ab und zu zweifelt jeder mal, niemand ist perfekt. Das macht dich nicht zu einer schlechten Mutter. Du gibst dein Bestes. Das ist die Hauptsache.

 

 

  

 

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