„Zwei Kinder und keine Minute für mich“ - ehrliche Worte einer alleinerziehenden Mutter

 

„‚Du schaffst das schon‘ - diesen Satz habe ich mir immer und immer wieder gesagt. ‚Andere schaffen das auch, kann doch nicht so schwierig sein.‘ Die Stimme in meinem Kopf wollte auf keinen Fall zugeben, dass ich überfordert war. Dass es nicht nur mir so ging, und dass andere Mütter genauso kämpfen mussten wie ich, wusste ich erst später.

 

Die Trennung meines Mannes und mir lag eigentlich schon lange in der Luft. Für die Kinder wollten wir zusammen bleiben, aber irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass das keine Lösung war. Also zog er aus, wenige Monate nach der Geburt unseres Sohnes, und wir blieben hier. Bis mir der Satz „Ich bin alleinerziehend“ über die Lippen kam, dauerte es noch eine Weile. Und das obwohl ich es ab der ersten Sekunde merkte.

 

Ich liebe meine Kinder, also wollte ich auf garkeinen Fall, dass die beiden unter der neuen Situation leiden. Am besten sollten sie nichtmal merken, was sich eigentlich alles verändert hat. Das fällt dem Kleinsten leicht. Er ist erst ein paar Monate auf der Welt und bekommt zum Glück nicht alles mit. Unsere Tochter ist zwei. Sie vermisst ihren Papa abends, und ich tue alles dafür, dass es ihr nicht zu sehr auffällt. 

‚Ich rotiere, aber es klappt schon irgendwie‘, dachte ich immer wieder. Ich riss mich zusammen, faltete die Wäsche mit einer Hand so gut es ging, während sich die andere Hand um meinen Sohn kümmerte, der so richtig entspannt nur auf dem Arm seiner Mama war. Ich kochte, immer zwischen dem Chaos meiner Tochter und der Liege meines Sohnes hin und her springend. Ich hatte zwei wundervolle, gesunde Kinder, und keine Minute für mich - und ich war so froh um die Zeit, die sich meine beste Freundin einmal die Woche nahm, um mit den beiden direkt nach dem Stillen rauszugehen, damit ich kurz mal durchatmen konnte. Aber das reichte nicht. Da half es auch nicht, dass die Kinder jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater sind. Ich brauchte Hilfe im eigenen Heim. Ich wusste das, aber wollte nicht zugeben, dass ich überfordert war.

 

Ich funktionierte nur noch. Die romantische Vorstellung meiner perfekt funktionierenden Familie schien dahin, und ich konnte nichts dagegen tun. Und dann war es soweit. Plötzlich und unaufhaltsam. Ich stillte meinen Sohn auf meinem Arm, während die Kleine schreiend um mich herum hüpfte. Und auf einmal war alles viel zu viel.

 

Ich fühlte mich schwach, brach in Tränen aus und war gleichzeitig stinksauer auf mich selbst. Weil ich überfordert war. Weil ich es einfach nicht schaffte. 

Meine beste Freundin beruhigte mich und rief mit mir beim Notmütterdienst an, um mir etwas Entlastung zu verschaffen. Sie riet mir außerdem, mit anderen Müttern in einer ähnlichen Situation zu sprechen. Irgendwie hat sie immer Recht.

 

Der Notmütterdienst schickte mir die allerliebste Betreuerin in meinem Alter, die in unser Zuhause schneite und mich sofort entlastete. Sie brachte Leichtigkeit von draussen herein, nahm mir den Kleinen nach dem Stillen ab und kümmerte sich um meine Tochter, damit ich mal zur Ruhe kommen konnte. So konnte ich wieder zu neuen Kräften kommen und die nötige Zuversicht finden, dass wir am Ende doch alles schaffen würden. 

 

Sie begleitete uns einige Wochen. Wochen, die für mich sehr wichtig waren, um wieder die richtige Perspektive auf alles zu entwickeln. So hatte ich auch die Luft, mich mit all dem auseinanderzusetzen, was passiert war, und mich als alleinerziehende Mutter wirklich zu begreifen. Das habe ich vorher nicht geschafft. Ich konnte wieder sehen, wie perfekt meine Familie auch in diesem Zustand der Zerrüttung, des Umbruchs war. Das waren wir. Und wir schafften das schon irgendwie.

 

Nach den Wochen war es natürlich dennoch eine Herausforderung, alles (wieder) allein zu bewältigen. Aber es war machbar. Ich hatte ja sozusagen geübt und war nun auch innerlich besser darauf vorbereitet. 

Mit anderen Müttern habe ich übrigens auch gesprochen. Direkt hier in der Nachbarschaft. Und auch das kann ich jeder alleinerziehenden Mutter nur wärmstens empfehlen. Wenn ich eins gelernt hab, dann dass ‚alleinerziehend‘ nicht auch gleichzeitig ‚allein‘ heißen muss.“

  

Rund 20% der Eltern in Deutschland sind alleinerziehend. Ihr leistet Überragendes. Dass das mal überfordern kann, ist absolut verständlich. Wir helfen aus, wenn ihr Entlastung benötigt. 

 

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