„Bin ich eine gute Mutter? Warum bekommen alle anderen das besser hin?“ Warum wir uns weniger mit anderen vergleichen sollten.

„Unsicherheit prägte die ersten Jahre mit meinen Kindern. Ich sah mir die Mütter links und rechts von mir an und war überzeugt davon: Die bekommen es besser hin als ich.

Während ich morgens schon abgehetzt bin, weil die Kleine nicht aus dem Bett kommt, aber gleich zur Eingewöhnung in der KiTa sein muss, und unser Sohn aus Versehen das gesamte Bad unter Wasser gesetzt hat, beim Frühstück beide nur rumalbern und ich die ersten Flecken schon vor 9 auf meiner Bluse hab, scheinen die anderen Eltern gut gelaunt und völlig entspannt an Vorschule und KiTa anzukommen und von all meiner Unsicherheit nichts zu merken und nichts zu wissen.

 

Ich rakere mich ab, stets bemüht darum, dass meine Kinder nichts von alledem mitbekommen. Ich frage mich, wie lang ich dieses Pensum durchhalte, und ob ich mir wirklich den Abend für mich gönnen kann. Ich schaue in den Spiegel und sehe ein müdes Gesicht. 

Aber es hat sich schon vieles gebessert. Mit zwei Kindern musste ich erstmal lernen, wie mein Tag eigentlich auszusehen hat, damit er funktioniert. Und dass Planung - noch mehr als mit einem Kind - eigentlich nie wie ursprünglich gedacht hinhaut. Das weiß ich heute, aber auch die Einsicht dauerte etwas.

 

‚Der Vergleich ist der Saboteur des Glücks‘ hör ich meine Mutter sagen. Ob sie Recht hat? 

Ich rede mit einer Freundin über meine Gefühle. Sie scheint stets fit, gut gelaunt und voller Tatendrang, trotz drei Kindern in unterschiedlichem Alter. 

Sie erzählt mir, dass es ihr ähnlich gehe. Dass sie oftmals genau so gestresst sei. Dass es den anderen Müttern sicher auch so gehe und sie es nur nicht nach außen tragen würden. Dass sich doch jede gute Mutter Gedanken darum mache, ob sie alles richtig macht, ob sie eine gute Mutter ist. Sie sagt, dass aber nicht der Stress ihr Problem gewesen sei, sondern die Einstellung zu ihrem Alltag. 

Und sie gibt mir folgenden einfachen Rat: Anstatt dich mit anderen zu vergleichen, schau dir lieber die Auswirkungen deines Seins auf die Bereiche an, die wichtig sind. Willst du Veränderungen sehen, vergleich dich mit der Person, die du vorher warst, und wisse zu schätzen, was du bereits erreicht hast. Sie hat Recht. 

 

Zugegeben, die Einsicht kam nicht sofort, aber ich dachte über ihre Worte nach. Ich habe glückliche Kinder, ich führe eine erfüllte junge Ehe, und es klappt immer alles irgendwie. Also muss ich doch eigentlich mehr richtig als falsch machen. Wen kümmern die ab und zu müden Augen?! 

Die sind übrigens garnicht mehr so müde, seit ich versucht habe, meine Welt mit den Augen meiner Freundin zu sehen und mir mehr von ihrer Perspektive anzueignen.

 

Wenn man wirklich etwas verändern möchte, hilft der Blick auf die anderen Mütter nicht, denke ich. Vielmehr muss es die eigene Perspektive sein, die sich ändert - mit der schaue ich auf mich und unser sehr schönes Leben. Vor dem Gespräch fiel mir dies schwerer. Eines ist jetzt sicher: der bloße Vergleich mit anderen tat zu keiner Zeit gut. Heute denke ich: Vielleicht ist die Person, mit der wir uns wirklich vergleichen sollten, einfach unser Ich von gestern.“

 

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