Klavier, Schwimmen, Hausaufgaben, Freunde - wann wird für Kinder der Freizeitspaß zum Freizeitstress? Und wie lässt sich dieser vermeiden?

Immer wieder berichten unsere Betreuerinnen von wunderbaren Familien, in denen die Kinder in der liebevollsten Umgebung mit optimaler Förderung überfordert scheinen. Da ist es letzten Endes die Kunst der Eltern, zu erkennen, wann der Freizeitspaß zum Stress geworden ist. Aber wie entsteht dieser Umschlag vom Positiven ins Negative?

 

 

Vom Freizeitspaß zum Freizeitstress - manchmal ein schmaler Grat

 

Das erste Hobby der Kinder wird meist von Eltern und Kindern zusammen bestimmt, da die Kleinen noch sehr jung sind und die Entscheidung nicht allein treffen können. Mit diesem Hobby erhält meist bereits ein fester Termin Einzug in den Wochenkalender der Kleinen. Sei es das Ballett, der Schwimmunterricht, Kinderturnen oder Fussballtraining. Zu späterem Zeitpunkt, etwa wenn Kinder in die Schule kommen, werden eigene Wünsche nach der Freizeitgestaltung größer. Oftmals tritt hier auch der Wunsch nach einem ganz anderen Hobby auf. Will die ‚alte‘ Förderung nicht gleich aufgegeben werden, gibt es damit bereits mindestens zwei feste Termine. Hinzu kommt jedoch in diesem Lebensabschnitt - und das zieht sich heutzutage zumeist bis nach der Jugend durch das Leben der Heranwachsenden - dass die zeitlichen Anforderungen in der Schule gewachsen sind. Mit der Ganztagsbetreuung der Kleinen ist die Zeit, die diese in der Schule verbringen, tatsächlich viel höher als noch vor ein paar Jahren. Ist diese auch in den meisten Fällen - zumindest zu Beginn - freiwillig, hängt an der Entscheidung dafür oder dagegen mehr, als nur der zeitlich längere Aufenthalt in der Schule. Denn, auch das wissen wir von unseren Betreuerinnen, Eltern haben oftmals Angst, dass ihre Kinder den Anschluss verlieren, wenn sie an diesem Angebot nicht teilnehmen und somit die bereits institutionell eingeplante Zeit mit neugewonnenen Freunden nicht nutzen. Zu alledem kommen natürlich noch die Hausaufgaben und andere Verabredungen.

 

 

Überforderung ist eine individuelle Angelegenheit

 

Wann die passgenaue Förderung zur (Über-)Forderung wird, hängt natürlich vom einzelnen Kind ab und ist nicht zu pauschalisieren. Manche Kinder gehen in einem vollen Terminplaner auf und freuen sich über eine abwechslungsreiche Woche, anderen sind zwei Hobbys schon zu viel. Wichtig ist, dass Eltern, besonders bei mehreren Kindern, den Blick auf den Einzelnen nicht verlieren. Experten raten generell dazu, bei den Kleinen nicht mehr als maximal drei feste Hobbytermine pro Woche einzuplanen, um unnötigen Stress zu vermeiden.

 

 

Überforderung und Stress erkennen

 

Auch Kinder sind gestresst, wenn die Anforderungen an sie zu hoch werden. Eltern merken die Symptome in der Regel, wissen jedoch in vielen Fällen nicht damit umzugehen - vielleicht auch weil sie den Auslöser nicht kennen. Mit den Symptomen hat sich die Sozialforschung der Bepanthen-Kinderförderung ausgiebig beschäftigt und nennt hier unter anderem Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Die Stress-Studie an der Universität Bielefeld (2015) zeigte, dass die Hauptgründe für den Stress der Kinder wenig freie Zeit ohne Termindruck und das Streben danach, den Erwartungen der Eltern gerecht zu werden, sein können. Deshalb werden unter Umständen Hobbys weiter ausgeführt, die dem Kind selbst Bauchschmerzen bereiten.

 

 

Müssen jetzt alle Hobbys gestrichen werden?

 

Natürlich soll ein Hobby nicht bei der kleinsten Schwierigkeit hingeschmissen werden - schließlich lernen Kinder hier bereits spielerisch, sich über eine längere Zeit für eine Sache zu engagieren und auch Schwierigkeiten zu meistern. Führt eine Freizeitaktivität jedoch über einen längeren Zeitraum zur Frustration, sollte über eine Aufgabe dieser nachgedacht werden. Denn Hobbys sollten nicht die erste Verpflichtung der Kinder sein, sondern Freizeitspaß. Schule und Hausaufgaben müssen bereits als Pflicht gemeistert werden. 

 

 

Stress färbt ab

 

Doch zu viele Hobbys müssen nicht allein der Auslöser von kindlichem Stress sein. Eine auf Erfolg gerichtete Erziehung kann ebenfalls passiv zu Stress führen, auch wenn diese Erfolgswünsche nicht direkt geäußert werden. Das heißt natürlich nicht, dass Eltern immer an allem Schuld sind. Es bedeutet lediglich, dass sich immer wieder Zeit genommen werden sollte, um einen behutsamen Blick auf die eigene Familie zu werfen und im Fall überforderter Kinder zu ergründen, woran dies liegen könnte. Ein übermäßiger Freizeitstress bei zu vielen Hobby-Verpflichtungen ist hier nur die eine Seite der Medaille, die andere ist der Umgang mit diesem Stress und Terminen generell. Denn Stress färbt ab. Ist der Morgen beispielsweise immer von Druck und dem Gefühl, sich beeilen zu müssen, geprägt, oder wird nachmittags zwischen den Terminen hin- und her gehetzt, kann dies die Kleinsten ebenfalls auf Dauer stressen. 

 

 

Stress vorbeugen und Überforderung vermeiden

 

Sind die Symptome erkannt, gilt es, die Ursachen zu bekämpfen. Auch bei Hobbys darf die Notbremse gezogen werden: Trotz der Investition von  Geld und Arbeit in eine Sache darf diese abgestoßen werden, wenn dadurch nur noch Stress und Negativität entsteht. Zudem sind Ruhephasen für Kinder besonders wichtig. Ein freier Sonntag ohne Termine und nur mit der Familie kann Balance in den Alltag bringen. Erholungsphasen unter der Woche helfen ebenfalls, Stress zu reduzieren, denn Kinder brauchen diese Ruhe. Hierzu zählen beispielsweise gemeinsame Kuschelzeit auf dem Sofa, eine Vorlesestunde oder das Ins-Bett-Bringen. Zudem ist es besonders für die Kleinen wichtig, freie Zeit zum Spielen zu haben. Denn in dieser Zeit erfahren Kinder keine Erwartung von außen können sich auf das konzentrieren, was ihnen wichtig ist. Es fördert außerdem die Kreativität, nicht andauernd von äußeren Einflüssen überflutet zu werden. Hierzu zählen auch die dauerhafte Berieselung durch Musik oder TV - besonders dies kann Stress bei Kindern verursachen.

Wer sich die Zeit nimmt, die eigene Familie zu betrachten und auf mögliche Symptome zu achten, sollte keine Probleme haben, diese zu erkennen und die erforderlichen Veränderungen einzuläuten. Letzten Endes färbt nicht nur Stress, sondern auch Gelassenheit ab. Gehen Eltern entspannt mit alltäglichen Herausforderungen um, hat dies auch Einfluss auf den Umgang der Kleinen mit der Welt - und andersherum.

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