„Es ist schön, noch gebraucht zu werden und die Auswirkungen meiner Hilfe direkt zu sehen“ - Hamburger Senioren berichten von ihrem ehrenamtlichen Engagement.

 

Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe

„Jeder braucht doch etwas, das ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubert!“ Heide hat ein paar Stifte und Vorlagen dabei: Beschriftete Zeichnungen von Menschen, Kleidung, Nahrungsmitteln . „Ich hab mich nun dazu entschieden, Deutschunterricht für geflüchtete Erwachsene zu geben. Das sind meine Unterlagen für den Unterricht diese Woche.“ Sie zeigt uns einige der Blätter. Material für Lernanfänger. „Die Organisatoren stellen sie uns zur Verfügung, um einen einheitlichen Unterricht zu gewährleisten. Erfahrung hab ich ehrlich gesagt nicht in diesem Bereich. Aber es wurde Hilfe gebraucht, und ich hab mehr als genug Zeit um zu helfen. Meine Kinder sind schon längst Erwachsen, es gibt einen Enkelsohn, der ab und zu bei seiner Oma bleibt. Da dachte ich mir: mit so viel Zeit möchte ich etwas Sinnvolles tun. Früher hab ich Krötenzäune gebaut.“ Sie lacht. „Im Niendorfer Gehege zum Beispiel. Das war allerdings unregelmäßig, und irgendwann wollte mein Rücken auch nicht mehr so richtig. Den Deutschunterricht gebe ich nun zwei Mal die Woche. Hier kann jeder so viel übernehmen, wie er Lust und Zeit hat.

Es ist schön, noch gebraucht zu werden und die Auswirkungen meiner Hilfe direkt zu sehen. Meine Lerngruppe ist mittlerweile eine feste, und wir freuen uns immer richtig aufeinander. Auch das Team der Deutschlehrer ist toll. Ich hab neue Freunde im Stadtteil gefunden, wir tauschen uns rund um die Arbeit aus und vertüdeln gemeinsam auch den ein oder anderen freien Nachmittag. Letztlich schweißt eine ehrenamtliche Tätigkeit die Menschen mehr zusammen - das Gefühl hab ich zumindest. Denn man weiß: jeder ist hier freiwillig und will noch etwas bewegen.“ Sie lacht, und man kann sehen, dass ihre Hilfe nicht nur den anderen gut tut.

 

Deutschunterricht und Gesprächsrunden für Geflüchtete werden in Hamburg zum Glück an sehr vielen Stellen und von zahlreichen Vereinen und Anbietern organisiert. Bei der Sprachbrücke Hamburg geht es zum Beispiel um Gesprächsrunden, damit Geflüchtete ihre Sprachkenntnisse aufbessern, vertiefen und im Alltag anwenden können. Eine Übersicht über das Angebot in vielen Stadtteilen hat euch hamburg.de hier zusammengestellt. Neben dem Deutschunterricht gibt es hier auch viele weitere Möglichkeiten, sich zu engagieren. Zum Beispiel im Bereich des Kinderprogramms, beim Tee-Mobil, gemeinsamen Unternehmungen, Patenschaften und und und.

 

 

Hamburger Kleiderkammern

Greta ist um die 70, auch sie hat sich eine ehrenamtliche Aufgabe gesucht. Warum? „Ich glaube fest daran, dass jeder unserer Gesellschaft etwas geben sollte und dass das uns alle ein bisschen näher zusammen bringt. Jüngere Menschen haben für solche Aufgaben oftmals keine Zeit. Zwischen Familie, Job und anderen Verpflichtungen bleibt wenig Luft, um sich vollen Herzens noch für etwas anderes zu engagieren. Das kennen wir doch auch noch alle, oder? Wenn man älter wird und fit ist, hat man diese Zeit aber, und ich möchte mit ihr etwas Gutes bewegen. Zur Arbeit im Büro musste ich mich früher schleppen. Wenn man nun aber weiß, dass es für eine gute Sache ist und sich 100%ig freiwillig engagiert, geht man gerne hin. Ich arbeite heute ein Mal die Woche in der Kleiderkammer. Hier kommen bedürftige Menschen, die gerade in Hamburg leben, vorbei, um sich mit dem Nötigsten einzukleiden. Ich bin nicht die offenste Person, also wollte ich etwas machen, wobei ich mich nicht verstellen muss und dennoch helfen kann. Ich dachte, Kleider und andere Sachen austeilen, das kann ich. Und es hilft anderen. Aber seit ich hier bin und so viele verschiedene Menschen jeden Tag sehe, bin ich ein kleinwenig offener geworden…glaub ich zumindest.“ Auf uns wirkt Greta nicht verschlossen, aber wir kannten sie auch nicht vorher. :)

 

Kleiderkammer-Stellen gibt es in Hamburg viele, ihr findet sie in zahlreichen Stadtteilen. Falls ihr euch über die Kleiderkammer und Möglichkeiten des Engagement informieren möchtet: Hier geht es zum Beispiel zur Seite des Hanseatic Help e.V.

 

 

Soziale Kaufhäuser

Else steht für den guten Zweck hinter der Ladentheke. Wir haben sie zufällig kennengelernt. In einem sogenannten Sozialkaufhaus,  oder sozialen Kaufhaus wie man es auch nennt, verkauft sie allerhand Nützliches für den ganz kleinen Preis. „Wer nur wenig oder garkein Geld verdient, kann sich vieles nicht leisten. Das muss aber nicht heißen, dass auch auf das Nötige, neue Kleidung oder Haushaltswaren verzichtet werden muss. Bei uns können Menschen ihre gut erhaltenen Sachen, die sie nicht mehr benötigen, spenden. Wir bereiten sie auf und verkaufen sie für kleines Geld an all die, die sich teure Waren nicht leisten können. Die Einnahmen werden ebenfalls in tolle Projekte investiert.

Ich arbeite hier ehrenamtlich. Früher war ich eine echte Shopping Queen, glaub ich. Irgendwann ging es aber auch mir nicht mehr so gut, und mir wurde klar, dass viele Menschen sich noch viel seltener als ich oder garnicht mal etwas Schönes leisten können. Deshalb möchte ich dabei helfen, ihnen ein gutes Gefühl und ein schönes Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Außerdem macht es jede Menge Spaß.“

 

Soziale Kaufhäuser gibt es in Hamburg einige, zum Beispiel das bezahlBAR in Barmbek, verschiedene Oxfam-Filialen wie die in Hoheluft  oder das WarenGut in Altona. Zu Möglichkeiten des Engagement fragt man hier am Besten direkt vor Ort nach.

 

Die Gespräche haben es bestätigt: Mit einem derartigen Engagement hilft man nicht nur anderen, sondern es macht auch den Helfenden zufriedener. Oftmals werden außerdem neue Freundschaften geschlossen und die eigenen Blickwinkel überprüft und verändert. Und im Prinzip gibt es für jeden, der etwas Zeit investieren möchte, die richtige Aufgabe. Vom Wald-Säubern über Krötenzäune bis hin zu sozialen Kaufhäusern, zu Engagement im Stadtteil und dem Deutschunterricht für Geflüchtete. Soziales Engagement wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Es verbindet Menschen und Ziele und schweißt uns zusammen. Wir danken den drei Frauen für die Gespräche.

Vielleicht hat ja auch der ein oder andere von euch Lust bekommen, sich zu engagieren. Ist für euch noch nicht das Passende dabei? Oftmals informieren eure Stadtteilzentren euch zu Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements. 

 

*Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle Namen geändert.

 

 

 

 

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