„Dass ich einmal meine eigene Mutter pflegen würde, hätte ich nie gedacht.“ Eine Tochter und Mutter erzählt.

„Mein Mann und ich haben zwei Kinder, einen Hund, hatten bis vor knapp zwei Jahren zwei Jobs - und jetzt meine Mutter als sechstes Familienmitglied im Haus. Hier ist einiges los. 

Als meine Mutter vor zweieinhalb Jahren an Demenz erkrankte, gingen Joshua und Ben* in die erste beziehungsweise dritte Klasse. Alles lief zunächst wie gewohnt - mein Mann und ich gingen arbeiten, und die Jungs besuchten Oma zuhause, wo sie nach der Diagnose auch weiterhin prima zurecht kam. Nach der Arbeit ging ich täglich bei ihr vorbei, um anfallende Aufgaben zu erledigen.

 

Als es ihr aber schlechter ging und sie daran erinnert werden musste, den Ofen auszumachen, genug zu trinken oder den Schlüssel mitzunehmen, nahmen wir meine Mutter zu uns. Das war nie eine Frage für unsere Familie - Mama hätte unter keinen Umständen ins Heim gewollt, und ich konnte mich mit dieser Option auch nicht wirklich anfreunden. Schließlich verging von der Diagnose bis zu ihrem Einzug bei uns nur ein halbes Jahr - und vorher war sie mehr als topfit. Der Gedanke an ein Heim erschien mir absurd. Sogar der Gedanke, dass meine Mama mich wirklich täglich brauchte und eben nicht mehr ‚ganz die Alte‘ war, war noch nicht vollends bei mir angekommen. Dass ich einmal meine eigene Mutter pflegen würde, hätte ich nie gedacht.

Mama zog ein, die Kinder freuten sich, Oma bei sich zu haben, und bis heute gehen die Jungs sehr reif und liebevoll mit der Situation um. Das zu sehen, macht mich wirklich stolz auf die beiden. 

 

Nachdem meine Mutter bei uns eingezogen war, verschlechterte sich ihr Zustand zunehmends, sodass es schnell nötig wurde, dass jemand den gesamten Tag bei ihr war. Das war nun auch mit meinem Halbtagsjob nicht mehr vereinbar, also blieb ich daheim. Doch je schlimmer ihre Demenz wurde, umso mehr Betreuung brauchte sie. Und so sah ich mich nachmittags, wenn auch die Jungs zuhause waren, einem recht breiten und unmöglich scheinenden Spagat gegenüber. 

Mittlerweile kann meine Mutter kaum noch allein zuhause bleiben, sodass selbst die einfachsten Aufgaben wie der Einkauf und das Abholen meiner Kinder mehr und mehr zur Herausforderung wurden. Ich finde, wir meistern die Situation auch weiterhin sehr gut. Trotzdem musste ich irgendwann einsehen, dass ich nicht alles allein machen kann. Denn mit meiner Mutter im Haus und den beiden Kindern ist einiges los. Ab und zu brauche ich da einfach Entlastung.

 

Mein Mann und ich gingen gemeinsam zahlreiche Lösungen durch. Die Pflege meiner Mutter übernehme ich weiterhin selbst - ich bin ja schließlich zuhause. Und der Notmütterdienst entlastet mich nun in der hauswirtschaftlichen Versorgung: Elena arbeitet als Betreuungskraft für den Verein und kommt an drei Nachmittagen in der Woche. Sie hilft mir im Haushalt und bei der Betreuung - und ich bekomme alles wieder unter einen Hut. 

Manche Situationen kann man eben nicht ganz allein bewältigen - und das ist auch in Ordnung. Meiner Familie geht es mit dieser Lösung sehr gut. Elena versteht sich sowohl mit meiner Mutter als auch mit den Jungs blendend, und uns allen bleibt durch die Unterstützung die nötige Gelassenheit für die schwierige Situation erhalten.“

 

*Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle Namen in diesem Artikel geändert.

 

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