Die eigenen Eltern pflegen - diese Fragen solltet ihr euch vorher stellen.

Wenn die eigenen Eltern zum Pflegefall werden, ist nicht immer viel Zeit, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Pflegeheim oder die Pflege Zuhause? Selbst pflegen oder eine Betreuung ins Haus holen? Sobald ihr euch der Herausforderung gegenüberseht, Angehörige zu pflegen, solltet ihr euch vorab ein paar Fragen stellen und Informationen einholen.

 

Wer die eigenen Eltern pflegt, möchte ihnen oftmals etwas von dem zurückgeben, das man selbst jahrelang bekam. Viele pflegende Angehörige berichten von der intensiven Erfahrung, die das Band zwischen Mutter und Tochter, Vater und Sohn noch stärker machte, und sind dankbar für diese gemeinsame Zeit. Dennoch sollte man sich im Klaren darüber sein, dass diese Entscheidung das gesamte Leben verändert. Deshalb ist es gut, wenn ihr euch bereits vorab ein paar Fragen stellt und Antworten findet.

  

Welche Unterstützung benötigen meine Eltern?

Der tatsächliche Pflegebedarf richtet sich natürlich immer nach der betroffenen Person. Ist die Mutter/der Vater noch relativ selbstständig und benötigt nur teilweise Unterstützung, oder muss eine 24-Stunden-Betreuung gewährleistet sein? Denn hiervon hängen letztendlich andere Faktoren ab, wie zum Beispiel: Kann ich meinen Job weiterführen oder meine Stunden reduzieren? Bekomme ich Eltern- und Kinderbetreuung unter einen Hut? Welchen zeitlichen Rahmen kann ich selbst abdecken, und wo benötige ich weitere Hilfe?

  

Wie gut nimmt mein Vater/meine Mutter Hilfe an?

Angehörige zu pflegen ist nicht nur eine zeitliche Frage, sondern auch eine psychische. Oftmals fällt es Eltern schwer, sich von den eigenen Kindern pflegen zu lassen. Das umgekehrte Sorgeverhältnis kann jedoch beide Seiten vor Herausforderungen stellen und belasten. Offene Gespräche, wenn sie geführt werden können, können eine große Hilfe sein.

Letzten Endes wohnt die pflegebedürftige Person nun nicht nur mit euch zusammen, sondern vielleicht ebenso mit eurem Partner und den Kindern. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle in die neue Situation einfinden und über ihre Befürchtungen und Gedanken offen sprechen können. 

  

Wo werden meine Eltern schlafen und wohnen?

Auch die räumliche Situation sollte vorab durchdacht werden, damit eine Familie nicht mehr belastet wird, als nötig. Nicht nur für die zu pflegenden Personen wird es wichtig sein, feste Bezugsräume und ein eigenes Reich zu haben, sondern auch im Haushalt lebende Kinder benötigen derartigen Bezugsgrößen, um von der neuen Situation nicht überfordert zu werden. 

 

Wer kann mir helfen?

Die eigenen Eltern zu pflegen ist nicht leicht. Umso wichtiger wird die Unterstützung, die euch zukommt. Vielleicht können euch zum Beispiel euer Partner oder Freunde helfen und mal einspringen, oder andere Aufgaben in der Familie und im Haushalt übernehmen, die vorher euch zufielen. 

Wer sich überlastet fühlt, kann auch Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. In diesem Fall kommt zum Beispiel eine Betreuung in euer Haus, die euch über einen bestimmten Zeitraum entlastet, sodass ihr wieder zu Kräften kommt. Voraussetzung für eine Übernahme der Kosten durch die Pflegekasse ist, dass die pflegende Person vor der ersten Verhinderung die zu pflegende Person mindestens sechs Monate gepflegt hat. Wir beraten euch hierzu gern und unverbindlich.

  

Was halte ich aus?

Sind die Fragen zur Art der Unterstützung, zur räumlichen und zeitlichen Umstellung und zur Einbindung in die Familie beantwortet, gilt es, die eigenen psychischen und physischen Belange nicht außer Acht zu lassen: Kann ich das? 

Natürlich ist es nicht leicht, im Vorfeld abzuwägen, in welchem Maß man dieser neuen Herausforderung gewachsen ist. Doch besonders während der Pflegezeit fällt vielen pflegenden Angehörigen auf, wie schwierig es scheint, in diesem Spagat den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Seid ehrlich zu euch und stellt euch die Frage, wieviel Raum und Zeit ihr für euch benötigt. 

Auch ein gesunder Schlaf sollte in einer so schwierigen Situation nicht auf Dauer leiden. Wieviel Schlaf benötigt ihr, und wie könnt ihr ihn bekommen? Langanhaltende Schlaflosigkeit kann zu Überreizung und verminderter Belastbarkeit führen, wodurch die Situation unerträglich scheinen kann. Wieviel Verantwortung könnt ihr übernehmen, und wo benötigt ihr Entlastung? Wer sich der Aufgabe stellt, die eigenen Eltern zu pflegen, sollte sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen und offen zuzugeben, wenn er/sie Unterstützung benötigt. 

 

Letzten Endes fällt diese Lebensphase umso leichter, je offener ihr mit eurer Familie reden könnt. Auch ein liebevolles Verhältnis zu den eigenen Eltern kann die Situation erleichtern. Aufgaben, die euch überfordern, abzugeben, ist ebenfalls wichtig für eine längerfristig funktionierende Betreuung. 

Macht euch klar: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt, dass ihr die Situation realistisch einschätzt und wisst, wann es zu viel für eine Person wird. 

 

Diese wenn auch herausfordernde Phase kann nichtsdestotrotz eine tolle Erfahrung sein, die eure Familie enger zusammen schweißt und euch die Möglichkeit gibt, euren Eltern etwas von der Liebe zurückzugeben, die ihr erhalten habt.

 

©2020 notmuetterdienst hamburg. All Rights Reserved.

Please publish modules in offcanvas position.